Eva Mair, Johannes Paar und Elias Dorner beschäftigen sich seit 2016 an der Abteilung für Gebäudelehre und Entwerfen der TU Wien in einem über mehrere Semester dauernden Prozess mit der österreichisch-slowenischen Grenzregion entlang der Mur. In dem Design/Build-Projekt „Wege für Mureck/Trate“ wird versucht, mit kleinen baulichen Interventionen nachbarschaftliche Verbindungen in einem von Zersiedlung und Abwanderung geprägten Randgebiet an der Grenze zu stärken und einen Austausch über den Grenzfluss Mur zu fördern.

Im Juni 2017 wurden mit einer Gruppe von 22 Architektur-Studierenden der TU Wien im Rahmen eines Build Studios historische Fußwege zum Schloss Obermureck reaktiviert, ein baufälliger Stiegenaufgang mit Klinkerziegeln neu gestaltet und begehbar gemacht sowie eine Plattform mit öffentlichem Backofen gebaut. Die Wiedererrichtung des Weges und der Bau des Stiegenaufgangs stellen einen kleinen, aber sehr wichtigen Schritt für die Situation auf beiden Seiten der Grenze dar. Mureck erhält eine fußläufige Verbindung zum Schloss und dem zersiedelten Ort Trate wird ein kleiner öffentlicher Raum geschenkt. Der neue Weg wurde am 24.06.2017 mit einer Wanderung vom Murecker Hauptplatz über die Murbrücke und die neue Stiege mit Plattform hin zum Schloss eröffnet und die Fertigstellung des Projekts wurde als öffentliches Sommerfest gefeiert. 

Die realisierten Interventionen sind Teilaspekte der architektonischen Visionen, die im vorangegangenen Wintersemester 2016 im Design Studio mit einer Gruppe von Studierenden entwickelt wurden und anschließend in einer Ausstellung vor Ort präsentiert wurden. In einem Stakeholder Workshop mit lokalen Akteuren und Verantwortlichen wurden die teilweise utopischen Entwürfe diskutiert und erste sinnvolle Schritte für eine Entwicklung des Ortes evaluiert. Der gemeinsame Fokus wurde dabei auf die verbindenden Wegeführungen gelegt.

Das Projekt beleuchtet den sozialen und gebauten Kontext des Ortes und knüpft dabei an bisherige Entwicklungen an: Die lokale Initiative „Muzej Norosti / Museum des Wahnsinns", die das leer stehenden Schloss Obermureck seit einigen Jahren als grenzübergreifendes Nachbarschaftszentrum zu etablieren versucht, hat die große Schnittmenge an verbindenden Qualitäten und Themenfeldern der Region erkannt: Der Schutz des Naturraums der Mur-Auen und des artenreichsten Fließgewässers Mitteleuropas, die traditionelle Landwirtschaft der Weinbau-Gegend der Windischen Bühel, archäologische Funde und das Sammeln lokaler Geschichte und Geschichten.